Model Guide

Das Wichtigste ist die Einstellung: Engagement macht dich zum Model, nicht das Aussehen und schon gar nicht das Alter – außer du willst im Fashion/Laufsteg-Bereich arbeiten – dann brauchst du bestimmte Maße und musst oft möglichst jung sein. Du bist nämlich ein austauschbarer, lebendiger Kleiderständer! Ansonsten: Wichtig ist, dass du zu dir stehst und wahrheitsgemäße Angaben zu Alter, Figur, Gewicht, Konfektionsgröße, Haarlänge und Frisur machst etc. Lügen kommen spätestens beim Shooting eh raus!

Auch ob und je nach Aufnahmebereich wo du Tattoos und Piercings hast ist wichtig zu wissen. Apropos Aufnahmebereiche: Überlege dir gut was du machen möchtest und was nicht. Wenn du neu anfängst oder zu einem neuen Fotografen gehst ist es immer gut sich auf Portrait / Lifestyle / Streetwear etc. zu beschränken – insbesondere dann, wenn du auf TFP-Basis arbeiten möchtest. Erweitern kann man die Aufnahmebereiche immer noch – verkleinern ist dagegen eher problematisch. Einen Fotografen mit Akt zu „ködern“ und dann doch nur Portrait und Lifestyle machen zu wollen ist ziemlich dumm. Erstens macht man gerade einen Akt-Teil bei GUTEN Fotografen am Anfang und kommt deswegen im „Schlabber-Look“ ohne Unterwäsche (Abdrücke vermeiden!) und zweitens ist Menschen über den Tisch ziehen einfach daneben. Dasselbe gilt natürlich anders rum: Ein Fotograf der Akt, Portrait und Lifestyle verspricht und dann nach dem Akt-Teil „plötzlich keine Zeit mehr hat“ verursacht bei dir mit Sicherheit das Gefühl verarscht worden zu sein.

Also mache dich schlau zu wem du gehst – nein, eine Begleitperson ist KEINE gute Idee und hält wirklich böse Menschen auch nicht davon ab Böses zu tun. Sie gaukelt dir Sicherheit nur vor. Höre lieber auf dein Bauchgefühl und verzichte im Zweifelsfall eher auf ein Shooting! Wie immer, wenn du zu einem neuen Kontakt gehst, muss jemand wissen wo und bei wem du bist – und das lasse auch deinen Kontakt wissen. Der Fotograf sollte weiterhin einen Ruf zu verlieren haben, dann bist du immer auf der sicheren Seite. Sehe dich nach Referenzarbeiten um, schaue nach der Webseite und befrage auch ruhig Modelle die schon bei ihm waren nach ihren Erfahrungen. Es ist übrigens eher ein gutes Zeichen wenn viele Modelle immer wieder kommen – als wenn jedes Model nur genau einmal da war. Aber Achtung: ist ein Model in eher kurzen Abständen öfter da und dann plötzlich gar nicht mehr, kehrt sich das Ganze u. U. komplett um. Es bedeutet nämlich dass der Fotograf ein Model ausgiebig „beackert“ – bis er bekommen hat was er eigentlich will. Oder das Model hat die Nase voll vom ihm. Oftmals „wachen“ solche Typen eifersüchtig über „ihre Modelle“ und lassen sie mehr oder weniger offen nicht zu anderen Fotografen. Merke: wer andere schlecht redet hat es nötig. Das gibt es übrigens auch anders rum – es gibt Modelle die Fotografen schlecht reden, zum Beispiel weil diese nicht nach ihrer Pfeife tanzen oder sie die Rechtslage zum Thema Fotos nicht kennen.

Sei vorsichtig, wenn dir ein Honorar angeboten wird – erstens ist das oftmals an Bedingungen geknüpft mit denen du ohne nicht einverstanden wärest und zweitens gehören „im Zweifelsfall“ alle Bilder dem Fotografen und er darf damit machen was er will – siehe §22 KunstUrhG! Unabhängig vom Aufnahmebereich können dir schlechte Bilder aber viele Probleme bereiten. Dazu kommt dass modeln gegen Bezahlung eine gewerbliche Tätigkeit ist – etwas was man vorher anmelden muss. Du kannst dir also u. U. sehr viel Ärger einhandeln.

Versuche hochwertige Bilder aus TFP Shootings zu bekommen. Solltest du eine professionelle Karriere anstreben, kannst du dich damit bei namhaften Agenturen bewerben – sofern der Vertrag das erlaubt. Aber Achtung: sollten diese eine „Aufnahmegebühr“ verlangen oder ein „Model-Training“ zwangsweise verkaufen wollen oder ein Shooting mit dem „Vertragsfotografen“ fordern – gegen Bezahlung versteht sich – dann überlege lieber zweimal ob du das Geld je wieder rein bekommen wirst. Vielleicht verdient so eine „Agentur“ nämlich nur an ihren „Modellen“ …

Zum Thema Vertrag: er sollte fair sein und keine Seite bevorzugen. Ohne Vertrag zu shooten ist keine gute Idee – zu viele Modelle müssen ihren Bildern monatelang hinterher laufen oder bekommen nur eine minimale Auswahl – unter Umständen mit riesigen Wasserzeichen auf den Bildern. Fotografen können da recht eigen sein. Achte also gut darauf wie viele Bilder und in welcher Form und Größe du diese bekommst – und was du damit machen darfst. Wenn davon nichts drin steht, darfst du als Model nämlich genau gar nichts damit machen außer diese privat anzusehen, da du nicht der Urheber bist! Dummerweise gibt es Vertragsverletzungen auf beiden Seiten: Modelle veröffentlichen unbearbeitete Bilder (obwohl dies untersagt ist), bearbeiten Bilder selber (ohne das Recht dazu eingeräumt bekommen zu haben) oder nennen den Fotografen nicht (was sogar sehr teuer werden kann). Fotografen geben wenige oder gar keine Bilder raus oder bearbeiten keine Bilder obwohl dies zugesagt wurde.

Wie du einen Fotografen findest?
Das ist eigentlich ganz einfach, sofern du dich nicht auf einen absoluten Profi einschießt der ausschließlich gegen Bezahlung arbeitet. Mache ein paar gute Handybilder (Gesichtsportrait und Ganzkörper) und bewerbe dich direkt bei Fotografen die auch mit Anfängern arbeiten. Schreibe dein Alter, Maße und Aufnahmebereiche dazu und hänge die nicht geschönten Fotos mit an. Alternativ schreibe in eine der vielen Model-Gruppen auf Facebook oder melde dich in Model Portalen wie Model-Kartei.de an. Aber Achtung: du wirst (weil du neu bist!) eine Menge Anfragen bekommen – und oftmals bleibt nach dem Aussortieren nicht viel Substanzielles übrig. Gerade in der Fotoszene treiben sich leider auch viele Menschen rum, deren Interesse nicht Bildern sondern dem Model gilt – oder die ihre Sexualität über ihr Hobby ausleben. Wenn du zu so jemanden gehst, hilft dir übrigens auch keine Begleitung – selbst ein „männlicher Bewacher“ nutzt dir dann wenig – denn meistens haben diese Leute recht viel Erfahrung darin Menschen um den Finger zu wickeln, sonst hätte man ihnen nämlich schon das Handwerk gelegt. Richtige Vergewaltigungen oder ähnlich schlimme Dinge kommen beim Modeln übrigens eher selten vor – da ist das Risiko im Alltag deutlich höher – aber solche Fälle werden gern von Medien aufgebauscht. Trotzdem ist das Beste noch immer der gesunde Menschenverstand und im Zweifelsfall eben gar nicht erst einen Termin auszumachen.

Zuverlässigkeit: Wenn du einen Termin ausgemacht hast, dann nehme den Ernst! Kurzfristige Absagen und Ausreden sind respektlos. Packe deinen Koffer (nein, keine Plastiktasche nehmen!) rechtzeitig am Abend vorher. Gehe frühzeitig zu Bett, damit du ausgeschlafen bist und gut aussiehst. Rasuren und Peelings – also alles was Spuren auf der Haut hinterlassen kann – spätestens am Abend vor dem Shooting vornehmen. KEIN Solarium – du wirst nicht braun, sondern die Kamera wird dich rot sehen! Auch von Selbstbräuner etc. kann ich nur abraten (es wird meist fleckig). Stehe rechtzeitig auf und ziehe eher weite Kleidung an. Sollte Akt oder Teilakt geplant sein verzichte komplett auf Unterwäsche oder nehme Seamless Wäsche ohne Gummizug – die Abdrücke die Kleidung hinterlässt verschwindet erst nach Stunden. Plane genügend Zeit ein für die Anfahrt und unterrichte den Fotografen am Besten wenn du los fährst. Und plane ebenfalls genügend Zeit für das Shooting selber ein. Zeitdruck ist immer kontraproduktiv.

Beim Shooting selber: versuche so viel Körperspannung wie möglich aufzubauen – halte dich gerade und achte auf die Anweisungen des Fotografen. Wenn er etwas Erfahrung hat, wird er dir sagen was gut aussieht und was nicht. Was wirklich sehr häufig passiert ist, dass du ein ganz anderes Bild von dir selber hast als alle anderen um dich herum. Denn Du siehst dich nur aus einer Perspektive und im Spiegel. Andere Menschen nehmen dich also ganz anders wahr als Du selber! Sei offen für Neues, denn auch das macht die Fotografie so interessant. Lasse dir nach Möglichkeit Bilder beim Shooting zeigen und wenn dir etwas auffällt, dann weise ruhig freundlich und höflich darauf hin. Vielleicht hat der Fotograf sich so auf deine Augen konzentriert und war mit Technik und Licht beschäftigt, dass er gar nicht gesehen hat, dass du aus Versehen den Pullover auf links trägst oder dir Zweige auf dem Bild aus dem Kopf zu wachsen scheinen :-) Glaube mir: auch sehr erfahrenen Fotografen passiert so etwas ab und an.

Vergiss Photoshop und Co. Klar kann man vieles ausbessern und retuschieren – aber bist das dann noch du? Das Ausgangsmaterial muss passen! Wenn du beispielsweise Speckröllchen hast, die nicht auf dem Bild zu sehen sein dürfen, dann übe Posen auf denen das nicht auffällt und vermeide sitzend abgelichtet zu werden. Bringe Körperteile die dir zu „füllig“ sind weiter hinten ins Bild und so weiter. Da ich keine Werbung mache kann ich an dieser Stelle keine Posing Guides verlinken, aber Google hilft dir weiter. Je mehr Erfahrung ein Fotograf hat, desto mehr wird er dich anleiten – aber es wird vermutlich auch schwieriger mit so jemandem einen TFP Termin zu bekommen. Überlege dir also, was dich aus der Masse positiv hervorheben kann – sei es durch Aufnahmebereiche (Akt ist bei Fotografen in der Regel gefragt weil es nur selten angeboten wird) oder besondere Locations. Auch eigene Tiere können unter Umständen interessant sein oder besondere Fähigkeiten wie musizieren, Tanz und Sport oder die beste Freundin ist eine tolle Visagistin. Überlege dir einfach was du bieten kannst, was viele andere nicht haben. Mach dich aber auch darauf gefasst, dass der Fotograf vielleicht genau die Dinge an dir mag, die dir selber gar nicht gefallen – zum Beispiel deine Sommersprossen.

Dein Partner sollte übrigens LANGE bevor du ein Shooting planst Bescheid wissen und damit einverstanden sein. Die meisten kurzfristigen Absagen erteilen Modelle nämlich deswegen weil der eigene Partner sich unwohl damit fühlt, wenn du zu einem Fremden gehst und dich fotografieren lässt. Aufnahmebereiche haben zwar einen Einfluss – aber selbst mit reinen Portrait/Fashion/Lifestyle Shootings haben viele Männer so ihre Probleme… Kläre das also VOR einer Anfrage auf TFP ab! Und der zweitmeiste Grund ist Selbstwahrnehmung. Oder anders gesagt: Dich verlässt plötzlich der Mut. Aus diesem Grund abzusagen ist jedoch ziemlich respektlos. Ausreden haben Fotografen aber so ziemlich jede schon zu hören bekommen … WENN Du also wirklich kurzfristig absagen musst, dann begründe dies EHRLICH und frage freundlich nach einem Ausweichtermin. Mach dich auch darauf gefasst, dass du in solchen Fällen (selbst bei TFP!) einen entstandenen Schaden (zum Beispiel Studiomiete) ersetzen musst! Vielen Modellen ist nicht bewusst, wie viel Aufwand ein Fotograf für ein Shooting treiben muss – oder anders rum, warum ein bezahltes Shooting eigentlich „so teuer“ ist. Lange Rede, kurzer Sinn: nehme ausgemachte Termine ernst!