Model Guide

Was macht eigentlich den Unterschied zwischen einem normalen Fotokunden und einem Model aus? Oder anders herum: wie wird man zum Model?

Das wichtigste ist die Einstellung: Engagement macht dich zum Model, nicht das Aussehen und schon gar nicht das Alter – außer du willst im Fashion/Laufsteg-Bereich arbeiten – dann brauchst du bestimmte Maße und musst möglichst jung sein. Ansonsten: Wichtig ist, dass du zu dir stehst und wahrheitsgemäße Angaben zu Alter, Figur, Gewicht, Konfektionsgröße, Haarlänge und Frisur machst etc. Auch ob du Tattoos und Piercings hast und wo ist wichtig zu wissen.

Aufnahmebereiche: Überlege dir gut was du machen möchtest und vor allem was nicht und warum. Wenn du ganz neu anfängst oder zu einem neuen Fotografen gehst ist es immer gut sich auf Portrait / Lifestyle / Streetwear etc zu beschränken – insbesondere dann wenn du auf TFP-Basis arbeiten möchtest. Erweitern kann man die Aufnahmebereiche immer noch, verkleinern ist dagegen oft problematisch.

Mach dich schlau, zu wem du gehst um dich ablichten zu lassen. Nein, eine Begleitperson ist KEINE gute Idee und hält wirklich böse Menschen auch nicht davon ab Böses zu tun. Eine Begleitung gaukelt dir Sicherheit nur vor. Höre also auf dein Bauchgefühl und verzichte im Zweifelsfall eher auf ein Shooting! Gehst du zu einem Fotografen so muss jemand Dritter wissen wo du bist. Natürlich muss auch dein Gegenüber das wissen. Der Fotograf sollte weiterhin einen Ruf zu verlieren haben, dann bist du immer auf der sicheren Seite. Ein reiner Hobbyfotograf ist mit anderen Augen zu sehen als jemand der vom Fotografieren leben muss. Sehe dich nach Referenzarbeiten um, schaue nach der Webseite und befrage auch ruhig Modelle die schon bei ihm waren nach ihren Erfahrungen. Es ist auch eher ein gutes Zeichen wenn viele Modelle immer wieder kommen – als wenn jedes Model nur genau einmal da war.

Sei vorsichtig, wenn dir ein Honorar angeboten wird – erstens ist das oftmals an Bedingungen geknüpft mit denen du ohne nicht einverstanden wärest und zweitens gehören „im Zweifelsfall“ alle Bilder dem Fotografen und er darf damit machen was er will – siehe hierzu §22 KunstUrhG! Unabhängig vom Aufnahmebereich können dir schlechte Bilder aber ziemlich viele Probleme bereiten. Dazu kommt dass modeln gegen Bezahlung ein Gewerbe voraussetzt – du kannst dir also u.U. sehr viel Ärger einhandeln.

Versuche lieber etwas weniger – aber dafür hochwertige Bilder aus TFP Shootings zu bekommen. Solltest du eine professionelle Karriere anstreben kannst du dich damit bei namhaften Agenturen bewerben. Aber Achtung: sollten diese eine „Aufnahmegebühr“ verlangen oder ein „Model-Training“ zwangsweise verkaufen wollen oder ein Shooting nur mit dem Vertragsfotografen – gegen Bezahlung versteht sich – dann überlege lieber zweimal ob du das Geld je wieder rein bekommen wirst.

Wie du einen Fotografen findest?
Das ist eigentlich heutzutage ganz einfach, sofern du dich nicht auf einen absoluten Profi einschiesst der ausschließlich gegen Bezahlung arbeitet. Mach ein paar gute Handybilder (Gesichtsportrait und Ganzkörper) und bewerbe dich direkt bei Fotografen die auch mit Anfängern arbeiten. Schreibe dein Alter, Maße und Aufnahmebereiche dazu und hänge die nicht geschönten Fotos mit an. Alternativ schreibe in eine der vielen Model-Gruppen auf Facebook oder melde dich in Model Portalen wie Model-Kartei.de an. Aber Achtung: du wirst (weil du neu bist!) eine Menge Anfragen bekommen – und oftmals bleibt nach dem Aussortieren nicht viel Substanzielles übrig. Gerade in der Fotoszene treiben sich leider auch viele Menschen rum, deren Interesse nicht Bildern sondern dem Model gilt – oder die ihre Sexualität über ihr Hobby ausleben. Wenn du zu so jemanden gehst, hilft dir übrigens auch keine Begleitung – selbst ein „männlicher Bewacher“ nutzt dir dann wenig – denn meistens haben diese Leute recht viel Erfahrung darin Menschen um den Finger zu wickeln, sonst hätte man ihnen nämlich schon das Handwerk gelegt. Richtige Vergewaltigungen oder ähnlich schlimme Dinge kommen beim Modeln übrigens eher selten vor – da ist das Risiko im Alltag deutlich höher – aber solche Fälle werden gern von Medien aufgebauscht. Trotzdem ist das Beste noch immer der gesunde Menschenverstand und im Zweifelsfall eben gar nicht erst einen Termin auszumachen.

Kläre VOR dem Termin welche und wie viele Bilder du bekommst und ob diese bearbeitet sind oder nicht. Wichtig ist auch was du damit machen darfst – und was nicht. Manche Fotografen geben nur 2 oder 3 bearbeitete Bilder raus – den Rest bekommst du nie zu sehen. Andere geben dir alle JPGs aus der Kamera direkt mit. Bei manchen darfst du diese nutzen – bei anderen darfst du außer anschauen gar nichts damit machen. Idealerweise bekommst du einen TFP Vertrag VOR dem Shooting in dem genau steht was du darfst und was nicht. Und was der Fotograf damit machen darf und was nicht. Dummerweise gibt es Vertragsverletzungen auf beiden Seiten: Modelle veröffentlichen unbearbeitete Bilder (obwohl dies untersagt ist), bearbeiten Bilder selber (ohne das Recht dazu eingeräumt bekommen zu haben) oder nennen den Fotografen nicht (was sogar sehr teuer werden kann). Fotografen geben wenig oder gar keine Bilder raus oder bearbeiten keine Bilder obwohl dies zugesagt wurde. Außerdem sind viele Verträge nicht das Papier wert auf dem sie gedruckt sind da sie schlicht und ergreifend sittenwidrig sind oder eine Partei darin zu sehr benachteiligt wird.

Zuverlässigkeit: Wenn du einen Termin ausgemacht hast, dann nehme den auch Ernst! Kurzfristige Absagen und Ausreden sind respektlos gegenüber dem anderen. Packe deinen Koffer (nein, keine Plastiktasche nehmen!) rechtzeitig am Abend vorher. Gehe frühzeitig zu Bett, damit du ausgeschlafen bist und gut aussiehst. Rasuren und Peelings – also alles was Spuren auf der Haut hinterlassen kann – spätestens am Abend vor dem Shooting vornehmen. KEIN Solarium – du wirst nicht braun, sondern die Kamera wird dich rot sehen! Auch von Selbstbräuner etc. kann ich nur abraten (es wird meist fleckig). Stehe rechtzeitig auf und ziehe eher weite Kleidung an. Sollte Akt oder Teilakt geplant sein verzichte komplett auf Unterwäsche oder nehme Seamless Wäsche ohne Gummizug – die Abdrücke die Kleidung hinterlässt verschwindet erst nach Stunden. Plane genügend Zeit ein für die Anfahrt und unterrichte den Fotografen am Besten wenn du los fährst. Und plane ebenfalls genügend Zeit für das Shooting selber ein. Zeitdruck ist immer kontraproduktiv.

Beim Shooting selber: versuche so viel Körperspannung wie möglich aufzubauen – halte dich gerade und achte auf die Anweisungen des Fotografen. Wenn er etwas Erfahrung hat, wird er dir sagen was gut aussieht und was nicht. Was wirklich sehr häufig passiert ist, dass du ein ganz anderes Bild von dir selber hast als alle anderen Menschen um dich herum. Sei offen für Neues, denn auch das macht die Fotografie so interessant – und du siehst wie dich andere wahrnehmen. Lasse dir nach Möglichkeit Bilder beim Shooting zeigen und wenn dir etwas auffällt, dann weise ruhig freundlich und höflich darauf hin. Vielleicht hat der Fotograf sich so auf deine Augen konzentriert und war mit Technik und Licht beschäftigt, dass er gar nicht gesehen hat, dass du aus Versehen den Pullover auf links trägst oder dir Zweige auf dem Bild aus dem Kopf zu wachsen scheinen :-) Glaube mir auch sehr erfahrenen Fotografen passiert so etwas.

Vergiss Photoshop und Co. Klar kann man vieles ausbessern und retuschieren – aber bist das dann noch du? Das Ausgangsmaterial muss passen! Wenn du beispielsweise Speckröllchen hast, die nicht auf dem Bild zu sehen sein dürfen, dann übe Posen auf denen das nicht auffällt und vermeide sitzend abgelichtet zu werden. Je mehr Erfahrung ein Fotograf hat, desto mehr wird er dich anleiten – aber es wird vermutlich auch schwieriger mit so jemanden einen TFP Termin zu bekommen. Überlege dir also, was dich aus der Masse positiv hervorheben kann – sei es durch Aufnahmebereiche (Akt ist bei Fotografen in der Regel gefragt weil es nur selten angeboten wird – kann aber im privatem Bereich hinterher durchaus negative Folgen haben) oder besondere Locations. Auch eigene Tiere können unter Umständen interessant sein oder besondere Fähigkeiten wie musizieren, Tanz und Sport oder die beste Freundin ist eine tolle Visagistin. Überlege dir einfach was du bieten kannst, was viele andere nicht haben. Mach dich aber auch darauf gefasst, dass der Fotograf vielleicht genau die Dinge an dir mag, die dir selber gar nicht gefallen – zum Beispiel deine Sommersprossen.