Risiken und Nebenwirkungen des Model-Daseins

Viele junge Mädchen und Frauen träumen von einer Karriere als Model. Die Gefahren und Risiken werden gern vergessen oder schlimmer noch ausgeblendet. Model sein, das ist ein Knochenjob, kann aber auch unglaublich viel Spass machen.

Welche Gefahren lauern?

Weithin bekannt sind Modelle, die sich fast zu Tode hungern um an die begehrten Laufsteg-Jobs zu kommen. Der BMI von vielen Top-Modellen ist jedoch nicht unbedingt der Gesundheit zuträglich. Magersucht und Bulimie sind unter Modellen ebenso verbreitet wie Drogensucht. Und natürlich ist ein Laufsteg-Model nur ein lebendiger „Kleiderständer“ – und muss die Kleidung so vorführen wie dies der (oftmals exzentrische) Designer will. Eine frei liegende Brust oder transparente Stoffe auf nackter Haut sind selbst in der Haute Couture völlig normal – wer da aufmuckt, fliegt raus – und macht sich unter Umständen sogar Schadenersatz pflichtig.

Überhaupt ist mit sexueller Belästigung im Model-Business zu rechnen – ein Model braucht wie eine Schauspielerin ein dickes Fell und viel Selbstvertrauen. Und gerade im Amateurbereich treiben sich viele Männer mit Kameras herum, deren Interesse augenfällig nicht Bildern, sondern eher dem Model als Person gilt.

Diese Fakten sind allgemein bekannt – werden aber gern ausgeblendet.

Weniger bekannte Tatsachen

Modeln ist mit hohem zeitlichem und finanziellen Aufwand verbunden! Nicht wenige Modelle unterschätzen die Kosten, die ihnen entstehen. Egal ob das Model stehen privat aus Leidenschaft und auf TFP Basis stattfindet oder eine Karriere als professionelles Model angestrebt wird. Fahrkosten, Aufwendungen für spezielle Kleidung und Kosmetika werden ebenso unterschätzt und verdrängt wie Preise für Lauftrainings und Körperbeherrschung. Dazu kommt, dass kaum eine Model-Agentur mehr die Kosten für eine initiale Sedcard übernimmt und das Model-Book bei guten Fotografen richtig ins Geld geht.

Als bezahltes Model ist man gewerbepflichtig in Deutschland – mit allen Risiken und Nebenwirkungen der Selbstständigkeit. Versicherungen, Steuern – da kommen schnell Gelder zusammen, die das Model in die Pleite treiben – oder aber in den Rotlicht-Bereich.

Neben unseriösen „Fotografen“ lauern auch unseriöse Agenturen. Wer als Model eine „Aufnahmegebühr“ zahlen muss oder die Kosten für ein Sedcardshooting mit einem „Fotografen der Agentur“, sollte hellhörig werden – Aufträge wird man von diesen Agenturen nur selten bekommen – denn diese sind wohl eher daran interessiert an das Geld des Models zu kommen. Und man endet als Karteileiche. Werden die Kosten von der Agentur übernommen, verlangen diese dagegen oft Exklusivverträge – was ein Model in seiner Wirkung nicht nur einschränken kann, sondern unter Umständen dazu führt, dass man „die Chance“ nicht wahrnehmen kann, weil man sich vertraglich zu sehr gebunden hat.

Was außerdem gern unterschätzt wird, ist die Wirkung von Bildveröffentlichungen. Wird man als Model gebucht und bezahlt, sind im Zweifelsfall die Rechte zur Veröffentlichung abgetreten. Wer beispielsweise an einen schlechten Fotografen gerät, muss unter Umständen bis ans Lebensende mit unvorteilhaften Bildern leben. Und hierbei sprechen wir nicht einmal von Akt- oder gar Erotik-Aufnahmen. Auch ein Portrait kann auf einer Escort-Seite landen – oder als Werbung für ein Mittel gegen Geschlechtskrankheiten. Und auch hochwertige Aufnahmen auf der Sedcard eines Amateurfotografen garantieren keine brauchbaren Ergebnisse – wer sagt denn, dass die ausgestellten Arbeiten nicht im Rahmen von Workshops unter der Leitung eines erfahrenen Fotografen entstanden sind? Einer Karriere NACH der Model-Karriere stehen schlechte Bilder oftmals im Weg.

Verdrängt wird auch gern das ALTER – viele potenzielle Modelle sind schlicht und ergreifend schon zu alt wenn sie anfangen. Sind sie noch jünger, bzw. jung genug wird gern die Schulbildung vernachlässigt oder gar die Schule, bzw. Ausbildung für die Model-Karriere abgebrochen.

Schlussendlich gibt es den Neidfaktor – und dieser kommt häufig aus Ecken wo man gar nicht damit rechnet. Die beste Freundin wird dann schnell zur größten Feindin und üble Nachrede gehört leider zum Alltag ein jeden Models. Viele gehen deswegen nicht damit hausieren, dass sie modeln und verbergen dies so weit nur eben möglich.

Empfehlungen

Generell kann man als potenzielles Model nicht vorsichtig genug sein und sollte vor allem lernen „auf seinen Bauch“ zu hören. Und wenn etwas zu schön ist um wahr zu sein – dann ist es das in der Regel auch!

Man fliegt einfach nicht ins Ausland und gibt dort den Pass ab. Man bezahlt nicht für die Aufnahme in eine Kartei eine Gebühr. Man schickt Fremden keine intimen Fotos – und man setzt sich auch nicht vor die Webcam – vor allem nicht in Dessous oder gar nackt. Man „schläft sich nicht hoch“ und man wird als privates Model NIEMALS „entdeckt“ und „gebucht“ von einem Model-Scout einer „großen Firma“ – ohne dass dies über eine seriöse Agentur erfolgt!

Wer eine Karriere als Profimodel anstrebt, muss wissen, dass dies mit hohen KOSTEN verbunden ist und zwingend bestimmte körperliche Voraussetzungen erfüllen. Insbesondere was Größe und Gewicht angeht. Piercings und Tattoos sind dann ebenso tabu wie Alkohol und Drogen.

Wer als Fotomodel arbeiten möchte, sollte sich die Fotografen wirklich gut aussuchen und ggf. auch für die ersten Shootings gezielt gute Fotografen BUCHEN und BEZAHLEN. Spätestens bei den ersten Shootings wird man merken wie anstrengend diese Tätigkeit ist und ob man dafür geeignet ist. Gute Bilder sind Voraussetzung für eine Bewerbung bei seriösen Agenturen und hat man bezahlt, so sollte man vollständige und exklusive Nutzungsrechte an den Bildern haben. Meldet man sich auf Portalen wie Model-Kartei, Model Mayhem oder ähnliche Seiten an, so muss man als Newcomer damit rechnen, mit Anfragen und Komplimenten nur so überschüttet zu werden. Der Grund dafür ist aber nicht etwa dass das Model so toll ist, sondern dass es NEU ist. Es gilt also auf dem Boden zu bleiben – auch wenn das angesichts der vielen Anfragen sehr schwer ist.

Woran erkennt man einen guten und seriösen Fotografen?

Bilder, Formulierungen auf der Sedcard und Bewertungen helfen bei der Auswahl. Bei Bewertungen in den Portalen sollte man sich nicht durch viele positive blenden lassen und vor allem ZWISCHEN den Zeilen lesen. Außerdem kann man im Zweifelsfall auch Kontakt mit MEHREREN früheren Modellen aufnehmen und diese zu ihren Erfahrungen befragen. In vielen Portalen kann man seine „Echtheit“ zum Beispiel durch das Einsenden eines Personalausweises prüfen lassen. Fehlt diese und wird womöglich nur ein Pseudonym genannt, ist dies schon mal keine gute Grundlage. Negative Bewertungen müssen übrigens kein schlechtes Zeichen sein, man sollte diese zumindest auf mögliche Rache Bewertungen prüfen. Ein barscher oder negativ formulierter Sedcard Text spricht meist ebenso Bände wie die Formulierungen im Forum (falls vorhanden) oder in den Bewertungen. Die ausgestellten Bilder sollten technisch eine hohe Qualität haben und einen selbst vom Stil her ansprechen. Außerdem ist es ein gutes Zeichen wenn oft neue und gute Bilder hochgeladen werden. Eine Sedcard dessen jüngstes Bild drei Jahre alt ist, lässt unter Umständen nichts Gutes vermuten.

Vielen Anfängern wird empfohlen im Zweifelsfall nicht allein zum Shooting zu gehen. Ich kann mich dem aber nicht anschließen. Wirklich böse Menschen lassen sich durch eine Begleitung nicht davon abbringen Böses zu tun. Eine Begleitung gaukelt da die Sicherheit nur vor. Im Zweifelsfall stattdessen lieber auf ein Shooting verzichten!

Meine Frau Steffi und ich gehen übrigens immer wie folgt vor, wenn wir zu Außeneinsätzen unterwegs sind: Wir melden uns beim Anderen sobald wir angekommen sind, lassen uns NICHT kurzfristig zu einem anderen Ort „umleiten“ und sorgen dafür, dass auch der Gegenüber weiss, dass jemand Bescheid weiss WO wir sind und mit WEM wir uns getroffen haben. Und wenn wir wieder gehen, dann melden wir uns erneut bei einer Vertrauensperson. Ein gewisses „Restrisiko“ kann man einfach nie ausschließen.

Was auch helfen kann ist ein Vorgespräch an einem öffentlichen Ort – und zwar mit Begleitung. Man bekommt so zumindest schon einmal einen Eindruck vom möglichem Shooting-Partner!

Fazit: Model stehen kann viel Freude machen, ist wie jedes Hobby aber mit Kosten und zeitlichem Aufwand verbunden und sollte stets mit „offenem Auge“ betrieben werden.